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Aufkündigungskultur

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Hauptseite » Kultur » Aufkündigungskultur

Der Begriff Aufkündigungskultur (Englisch "Cancel Culture", deutsch: Absage-, Ausladungs- oder Löschkultur, in den russischen Mainstream-Medien wird der Begriff als Abschaffungs- oder Liquidierungs­kultur ("Kultura Likvidatsia") übersetzt[1]) bezeichnet eine übermäßige Verbreitung systematischer Boykotte[wp] von Personen oder Organisationen, denen beleidigende oder diskriminierende Aussagen bzw. Handlungen vorgeworfen werden. Der Begriff ist negativ konnotiert[wp], gilt als ambivalent[wp] und ist heftig umstritten.

Verwendungsbeispiel

Zitat: «Die Absagekultur gegenüber Russland ist an sich antikulturell, neokolonial und rassistisch.» - Wladimir Putin[2]

Begriffsherkunft und Wirkungsweise

Der Begriff Cancel Culture ist ein aus dem angel­sächsischen Raum stammendes politisches Schlagwort und hat mittlerweile auch in deutsch­sprachige Debatten Eingang gefunden. Er geht auf die Praktik des Cancelns (von engl. to cancel = absagen) zurück, also auf die Rücknahme der Unterstützung für eine Person oder Organisation im öffentlichen Leben. Canceln wird überwiegend in sozialen Medien betrieben und zielt auf den Entzug medialer Aufmerksamkeit ab. Damit gehen in der Regel Beschuldigungen einher, die den Ruf der betroffenen Person schädigen können.[3] Entsprechende Vorfälle haben vereinzelt zu Entlassungen sowie zur Absetzung von Filmen und Fernsehserien geführt.[4] Cancel Culture ist ein politischer Begriff, der von den Gegnern dieser Tendenz geprägt wurde. Er steht in der Tradition der Aus­einander­setzungen um Political Correctness.[3][5]

Rezeption in Deutschland

Der Freitag schreibt im August 2020, dass "die Feuilletons der Republik sich über den Begriff Cancel Culture den Kopf zerbrechen".[6]

Arne Hoffmann schreibt Cancel Culture einem politischen Lagers zu, das sich als "woke" (politisch bewusst/erwacht) bezeichnet.[7]

Appell für freie Debattenräume

Der Appell für freie Debattenräume ist ein von dem Schriftsteller und Philosophen Gunnar Kaiser und dem Journalisten und Juristen Milosz Matuschek unter dem Hashtag #CancelCancelCulture auf Twitter initiierter Aufruf, der sich gegen die Cancel Culture richtet. Der Appell wurde am 1. September 2020 im Internet auf der Seite Intellectual Deep Web Europe veröffentlicht.[8][9]

Alexander Grau[wp] lobte im Cicero den Appell als Ausdruck "freien Denkens" und sah in ihm eine angemessene Reaktion auf "die Unkultur des Niederschreiens, des Ausladens und Löschens".[10]

Zu den Erstunterzeichnern des Appells gehören unter anderem:[11]

  • Hamed Abdel-Samad, Publizist und redseliges Mietmaul
  • Ulrike Ackermann[wp], Professorin, Direktorin John Stuart Mill Institut
  • Arend Agthe[wp], Regisseur, Mitglied Deutsche Filmakademie
  • Andreas Altmann[wp], Reporter, Reise­schriftsteller
  • Götz Aly[wp], Historiker und Publizist
  • Asfa-Wossen Asserate[wp], Publizist und Unternehmensberater
  • Jörg Baberowski, Historiker und Gewaltforscher
  • Michael Beleites[wp], studierter Landwirt, ehemaliger Aktivist der Umweltschutz­bewegung in der DDR
  • Sucharit Bhakdi, Arzt, Professor
  • Michèle Binswanger[wp], Journalistin, Tages-Anzeiger
  • Markus Böker[wp], Schauspieler, u. a. Die Rosenheim-Cops
  • Ralf Bönt, Schriftsteller
  • Norbert Bolz, em. Professor für Medienwissenschaft, TU Berlin
  • Raphael M. Bonelli[wp], Psychiater und Autor
  • Mathias Bröckers, Mitgründer der taz, Journalist und Buchautor
  • Hans Christoph Buch[wp], Schriftsteller
  • Gerd Buurmann[wp], Schauspieler, Blogger
  • John Cleese[wp], Schauspieler, Mitglied von Monty Python[wp]
  • Jörg Drieselmann[wp], Direktor Stasi-Museum Berlin
  • Gerald Dyker[wp], Professor für Chemie, Universität Bochum
  • Vince Ebert[wp], Wissenschaftskabarettist, Achse des Guten
  • David Eisermann[wp], Kulturjournalist
  • Hartmut Esser[wp], Professor für Soziologie, Universität Mannheim
  • Luke Gasser[wp], Rockmusiker, Dokumentarfilmer, Bildhauer, Künstler
  • Carlos A. Gebauer[wp], Rechtsanwalt und Publizist
  • Carl Friedrich Gethmann[wp], Professur für Philosophie, Universität Siegen, Mitglied des Ethikrates
  • Giuseppe Gracia[wp], Autor, Kolumnist (Blick)
  • Alexander Grau[wp], Philosoph, Kolumnist (Cicero)
  • Luís Filipe Maksoud Greco[wp], Professor für Strafrecht, HU Berlin
  • Peter Hahne, Fernsehmoderator und Autor
  • Waldemar Hartmann[wp], Sportreporter
  • Matthias Heitmann[wp], Journalist, Publizist
  • Peter Hoeres[wp], Historiker, Universität Würzburg
  • Michael Hofreiter[wp], Professor für Zoologie/Universität Potsdam
  • Arne Hoffmann, Wissenschaftsjournalist und Männerrechtler
  • Barbara Holland-Cunz, Professorin (i. R.) für Gender Studies, Universität Gießen
  • Helmut Holzhey[wp], em. Professor für Philosophie, Universität Zürich
  • Stefan Homburg[wp], Universitätsprofessor
  • Konrad Hummler[wp], Unternehmer, Publizist, ehemaliger Verwaltungsrats­präsident der Neuen Zürcher Zeitung
  • Christian Illies[wp], Professor für Philosophie, Universität Bamberg
  • Marijke Jährling[wp], Jazzsängerin
  • Dirk Jacobs[wp], Journalist, ZDF und RBB
  • Steffen Jacobs[wp], Essayist, Übersetzer
  • Erwin Jurtschitsch[wp], Journalist, Unternehmer, Mitgründer der taz
  • Necla Kelek, Soziologin und Publizistin
  • Birgit Kelle, Journalistin, Buchautorin
  • Alexander Kissler[wp], Journalist und Autor
  • Sebastian Kleinschmidt[wp], Essayist und Herausgeber, ehemaliger Chefredakteur von Sinn und Form
  • Heiko Kleve[wp], Professor, Universität Witten/Herdecke
  • Hubertus Knabe, Historiker, ehemaliger Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen[wp]
  • Jasmin Kosubek, Journalistin, RT Deutsch
  • Walter Krämer[wp], Ökonom, Professor, Autor
  • Markus Krall, Wirtschaftspublizist
  • Axel Krause[wp], Maler
  • Bettina Kupfer[wp], Psychologin
  • Bernhard Lassahn, Schriftsteller, Männerrechtler
  • Karsten Laudien[wp], Professor für Ethik, Berlin
  • Vera Lengsfeld, Publizistin, DDR-Bürgerrechtlerin, ehemalige Politikerin
  • Maria-Sibylla Lotter[wp], Professorin für Ethik, Universität Bochum
  • Patricia Lueger[wp], Schauspielerin
  • Monika Maron[wp], Schriftstellerin
  • Harald Martenstein, Autor und Journalist
  • Matthias Matussek, Journalist, Bestsellerautor, ehemaliger Leiter Kulturressort des Spiegel
  • Georg Meggle[wp], Professor für Philosophie, Universität Leipzig
  • Andreas Meier[wp], Professor für Informatik
  • Horst Meier[wp], Jurist und Autor
  • Reinhard Meinel[wp], Astrophysiker, Universität Jena
  • Reinhard Merkel[wp], Strafrechtsprofessor, langjähriges Mitglied im Ethikrat
  • Michael Meyen[wp], Professor für Kommunikationswissenschaft, LMU München
  • Axel Meyer[wp], Professor für Zoologie/Evolutionsbiologie, Universität Konstanz
  • Rainer Meyer[wp], Kolumnist, Blogger "Don Alphonso", Die Welt
  • Geoffrey Miller[wp], PhD; Associate Professor of Psychology, University of New Mexico
  • Alexander Mitsch[wp], CDU-Politiker, Werteunion
  • Martin Mosebach[wp], Schriftsteller
  • Albrecht Müller[wp], Herausgeber NachDenkSeiten
  • Burkhard Müller-Ullrich[wp], Journalist, indubio Podcast
  • Jack Nasher[wp], Hochschullehrer, Autor, Verhandlungsberater
  • Rebecca Niazi-Shahabi[wp], Sachbuchautorin
  • Gunther Nickel[wp], Professor für Literatur, Universität Mainz
  • Chaim Noll[wp], Schriftsteller
  • Johan Norberg[wp], Schriftsteller, Schweden
  • Dieter Nuhr, Künstler
  • Haralampi G. Oroschakoff[wp], Künstler
  • Boris Palmer[wp], Oberbürgermeister von Tübingen
  • Rainer Paris[wp], Soziologe
  • Gudrun Pawelke[wp], Autorin
  • Robert Pfaller[wp], Philosoph und Kulturtheoretiker, Universität Linz
  • Philip Plickert[wp], Journalist, FAZ
  • Marijn Poels[wp], Filmemacher, u. a. Paradogma
  • Susanne Popp[wp], Professorin, Musik­wissenschaftlerin, Max-Reger-Institut
  • Andreas Rebers, Künstler
  • Sascha Reh[wp], Schriftsteller
  • Boris Reitschuster, Journalist
  • Linus Roth[wp], Musiker, Professor für Violine, Universität Augsburg
  • Andreas Rödder, Historiker, Universität Mainz
  • Stephan Ruß-Mohl[wp], em. Professor für Journalistik, FU-Berlin
  • Christiane zu Salm[wp], Verlegerin, Nicolai Verlag
  • Rüdiger Safranski[wp], Schriftsteller
  • Kathrin Schmidt[wp], Schriftstellerin
  • Michael Schmidt-Salomon[wp], Philosoph, Publizist/Giordano-Bruno-Stiftung
  • Detlev Schönauer[wp], Kabarettist
  • Dieter Schönecker[wp], Professor für Philosophie, Universität Siegen
  • Susanne Schröter[wp], Professorin für Ethnologie, Universität Frankfurt
  • Gunnar Schupelius[wp], Kolumnist, B.Z.
  • Gerhard Schwarz[wp], Publizist, Progress Foundation
  • Karl-Peter Schwarz[wp], Journalist
  • Stefan M. Seydel[wp], Sozialarbeiter, Blogger
  • Thilo Spahl[wp], Publizist, Freiblickinstitut, cancelculture.de
  • Peter Singer[wp], Philosoph, Professor für Ethik, Princeton University
  • Wolfgang Sofsky[wp], Soziologe und Essayist
  • Uwe C. Steiner[wp], Professor für Literaturwissenschaft, Uni Hagen
  • Joachim Steinhöfel, Rechtsanwalt, Publizist
  • Cora Stephan[wp], Schriftstellerin
  • Uwe Tellkamp[wp], Schriftsteller
  • Peer Teuwsen[wp], Ressortleiter Kultur, NZZ am Sonntag
  • Andreas Thiel[wp], Kabarettist
  • Wolfgang Thierse[wp], Kulturwissenschaftler, Bundestagspräsident a. D.
  • Ilija Trojanow[wp], Schriftsteller
  • Karsten Troyke[wp], Chansonsänger
  • Hans-Ulrich Jörges[wp], Journalist (Stern)
  • Raymond Unger, Künstler und Autor
  • Daniel von Wachter[wp], Professor für Philosophie, Liechtenstein
  • Günter Wallraff[wp], Journalist und Schriftsteller
  • Tonio Walter[wp], Strafrechtsprofessor, Universität Regensburg und Schriftsteller
  • Jan Weiler[wp], ehemaliger Chefredakteur SZ-Magazin, Buchautor
  • Ulrich Weinzierl[wp], Germanist und Journalist
  • Alexander Wendt[wp], Autor, Journalist (Publico, Tichys Einblick)
  • Tamara Wernli[wp], Youtuberin, Kolumnistin (Weltwoche)
  • Stephan Winkler[wp], Komponist und Professor für Musiktheorie und Komposition
  • Stephan Wirz[wp], Titularprofessor für Ethik und Publizist
  • Volker Zotz[wp], Philosoph, Buddhologe
  • Michael Zöller[wp], em. Professor für Soziologie, Universität Bayreuth

Alles nur "Satire" oder "rechte Panikmache"

Die taz hält die Bemerkung, "Cancel Culture" sei die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit, für "Blödsinn" und "politisches Kalkül":

"Die größte Bedrohung" der Meinungsfreiheit sieht Merz "inzwischen in der Zensur­kultur", auch als "Cancel Culture" zum Kampfbegriff der neuen Rechten verkommen. Der "Kampf gegen rechts" sei zudem ein "schwammiger Begriff", den vermeintlich linke "Aktivisten" missbrauchten, um "gegen völlig legitime Meinungen des demokratischen Spektrums oder sogar wissenschaftliche Erkenntnisse vorzugehen".

Er sehe "mit Besorgnis, was an den Universitäten in den USA" passiere, es schwappe auch nach Europa über - und nennt als Beispiel die an Dämlichkeit kaum zu überbietende Causa um einen transfeindlichen, von Expert*innen Experten mittlerweile widerlegten Vortrag einer Meeresbiologin über menschliche Geschlechter.

Merz sagt so was nicht, weil er nicht ausreichend informiert ist. Oder ihm die Auffassungs­gabe für die Komplexität der Gegenwart fehlt. Oder er, ein Jurist, die Relevanz von Geistes- und Sozial­wissenschaften untergraben will. Im Gegenteil. Ich glaube, er und sein Team beherrschen die Klaviatur der Kakofonie[wp] besser, als es die politische Gegenseite vermutet.

Merz' Vorgehen ist amoralisch

Der aktuelle kulturkämpferische Diskurs und dieses Interview sind das, was man als "Rage Bait" bezeichnet[12], Aussagen in der Öffentlichkeit, die maximale emotionale Resonanz erzeugen sollen. Im Grunde nichts anderes als trollen, nur dass Merz und die Journalistin, die ihn interviewt, eine Plattform bespielen, die ungleich größer ist als ein einzelner Tweet.

"Rage Bait" hat bestimmte Funktionen: Zum einen markiert es Feind*innen Feinden und schließt die Reihen der Freund*innen Freunden, zum anderen ist es eine Ablenkungs­strategie, die von den großen Themen ablenken soll - und das sehr erfolgreich.

Ein wissenschaftlich fragwürdiger Vortrag und Proteste dagegen sollten kein Thema sein, das die Republik wochenlang beschäftigt. Besonders nicht in Zeiten, in denen sich die Klima­katastrophe von Zukunftsmusik zum Gegenwarts­problem entwickelt; in denen ein Diktator, dem wir gestern noch den roten Teppich ausgerollt haben, heute ein Land vor unserer Tür komplett auslöschen und die freie Gesellschaft Europas zerstören will; in denen soziale Ungerechtigkeit und Armut in unserem Land, einem der reichsten dieser Erde, rapide anwachsen; in denen Rassismus tötet, und zwar auch Partei­freunde von Friedrich Merz. In diesen Zeiten das Bild des "Kulturkampfs" aus den USA zu importieren, ist amoralisch. Und ein Täuschungs­manöver.

Die Aufregung über kultur­kämpferische Themen okkupiert Zeitungs­spalten wie diese hier, Sendeplätze und Synapsen in unserem Gehirn, die sich sonst damit befassen könnten, dass Merz noch bis quasi gestern bei einer der weltweit größten Investment­firmen arbeitete und danach fast nahtlos in eine politische Spitzen­karriere zurückkehrte. Dass er jüngst neue Brennstäbe für Atomkraft­werke forderte oder Kanzler Olaf Scholz mit unhaltbaren Argumenten vorwirft, die Öffentlichkeit in puncto Waffen­lieferungen getäuscht zu haben

Oder, dass es CDU und SPD waren, deren vergangenheits­orientierte Energie­politik einen florierenden Wirtschaftszweig zerstört hat und unsere Zukunft und jetzt, wegen der Abhängigkeit von russischem Gas, unsere Sicherheit gefährdet. Oder dass Merz sich bald mit dem republikanischen US-Senator und Trump-Apologeten Lindsey Graham[wp] trifft, einem der Architekten der Aushöhlung der Demokratie in den USA.

Solange wir uns als Gesellschaft von menschen­feindlichen Diskursen in diesem inszenierten "Kulturkampf" ablenken lassen, können wir uns nicht mit den Themen befassen, die wirklich relevant sind.

– Aida Baghernejad[13]
Die aktuellen Diskussionen über Meinungsfreiheit führen in die Irre. Die wahren Absichten werden von den Beteiligten kaschiert. Sinn ergeben sie nur, wenn man sie komplett auf den Kopf stellt.

Bei den Diskussionen über Meinungsfreiheit in Deutschland, die das zu Ende gehende Jahr bis zur Weihnachts­ansprache des Bundes­präsidenten Frank-Walter Steinmeier geprägt haben, geht es zumeist nicht darum, ob man sich wirklich in diesem Land frei äußern kann oder nicht. Tatsächlich sind sie häufig ein Ausdruck für den Unwillen von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, in Vielfalt leben zu wollen. Die Diskussionen erfüllen eine Stellvertreter­funktion, sind konstruiert und werden instrumentalisiert. In Wahrheit geht es um die essenzielle Frage: Wie wollen wir in Zukunft in Deutschland zusammenleben?

Die einen werden dabei von völkischen Gedanken geleitet: Deutschland den Deutschen. Ausländern kann freundlicherweise mehr oder weniger Gaststatus gewährt werden. Außer durch Geburt gibt es letztlich keinen Weg, Teil des Volkes zu werden. [...]

Die, die sich so massiv über angeblich mangelnde Meinungsfreiheit beklagen, wollen so eine Demokratie im eigentlichen Sinn nicht. Sie wollen eine Demokratie mit Vorzeichen. Eine Demokratie mit Privilegien für eine bestimmte Gruppe, die sie selbst nach Gusto definieren. Forscher sprechen heute von einer "Flucht ins Autoritäre"[ext]: etwa 40 Prozent der Deutschen, so fanden sie im vergangenen Jahr heraus, haben die Bereitschaft, ein autoritäres System zu unterstützen, neigen also zu "rigiden Ideologien, die es gestatten, sich gleichzeitig einer Autorität zu unterwerfen, an ihrer Macht teilzuhaben und die Abwertung anderer im Namen dieser Ordnung zu fordern". Diese Menschen spüren, dass sich ihre Vorstellungen von "Demokratie" nicht unter den derzeit herrschenden Bedingungen mit freier Rede, freier Presse, freien Wahlen umsetzen lassen, sondern dass es dafür radikalerer Methoden bedarf; mit genau solchen Versprechen verführen die Rechtspopulisten.

Lamya Kaddor[14]

Rezeption weltweit

Bernhard Lassahn merkt an, dass die Cancel Culture sich exponentiell verbreitet und ihr Einfluss einen aufschlussreichen Ausdruck darin fand, dass sogar das Benutzerkonto des damaligen US-amerikanischen Staats­präsidenten Donald Trump im sozialen Netzwerk[wp] Twitter, vorgeblich zum Schutz der Menschenwürde von Angehörigen wie auch immer gearteter Minderheiten vor hetzerischer Agitation gesperrt worden ist. Er fragt nach der wahren Motivation der Initianten der Cancel Culture und deren Verständnis von Meinungsfreiheit, um zu konstatieren, dass der Sinn des Kampfes um Redefreiheit nicht darin besteht, festzulegen, wer von derselben Gebrauch machen darf und wer nicht, sondern um zwei Fragen: 1. ob ein Individuum überhaupt die Voraussetzung hat, verständlich zu kommunizieren und 2. welchen Wert so eine Kommunikation haben kann.[15]

Darauf gibt Jordan Peterson folgende Antwort:

Deutsche Übersetzung
Eines, das ich Ihnen sagen kann, damit Sie es wissen, ... Sie hören ja, dass es Debatten über Redefreiheit auf dem Campus gibt. Darüber, wer reden sollte und wer nicht. Und die Leute denken, dass es in der Debatte darum geht, wer reden darf und wer nicht. Aber darum geht es in der Debatte nicht. Es kratzt nicht oberflächlich an dem, wovon man denkt, dass es darum ginge. In der Debatte auf dem Campus geht es darum, ob ein Mensch die Fähigkeit hat, als Individuum verständlich zu kommunizieren oder nicht. Und die Antwort für die post­modernistischen kollektiven Typen ist, dass es so etwas wie ein Individuum nicht gibt. Und deshalb ist die Idee von der freien Rede absurd. Denn die Redefreiheit beruht auf der Idee, dass jeder von uns etwas eigenes zu sagen hat. Das eine Konsequenz unserer einzig­artigen Individualität ist, nicht unserer Gruppen­identität oder ein Mehrfaches aus Gruppen­identitäten, sondern etwas, das wir haben, das aus unserem Geist spricht, das zum Geist eines anderen sprechen und einen ausgehandelten Frieden hervor­bringen kann. Und um das geht es in den Debatten. Der Krieg, der da auf philosophischer oder theologischer Ebene in den Universitäten geführt wird, ist viel tiefgreifender, als Sie denken. Die gesamte Idee von der Wirklichkeit des Individuums, die, wie ich denke, auch die grundsätzliche Idee ist, dass die Menschen als Ebenbild Gottes erschaffen wurden. Das ist es, was angegriffen wird. Nicht umsonst bezeichnete Derrida[wp] die westliche Kultur phallogozentrisch - "phallus" für männlich, "logos" für logos, für Wahrheit und Mut, und "zentrisch" für zentrisch. Das war eine Kritik aus seiner Sicht. Die Idee der Souveränität des Individuums. Wenn man die Idee der Souveränität des Individuums nicht hat, weil es kein Individuum gibt, gibt es keine freie Rede. Alles, was Sie sind, ist ein Avatar für Ihre Gruppen­interessen. Und wenn ich nicht in Ihrer Gruppe bin, ist es nicht in meinem Interesse, Sie sprechen zu lassen. Dann gibt es nichts, was wir einander zu sagen hätten. Es gibt nichts außer Macht. Es ist ein hobbesscher Albtraum[wp] von Gruppe gegen Gruppe[wp]. Und das ist die postmoderne Lehrmeinung. Deshalb, wenn man das entsetzlich nennt, hat man nicht mal an der Oberfläche gekratzt. Es ist wahrhaftig ein Angriff auf die fundamentalsten Prinzipien, nach denen im Westen gehandelt wird. Es geht nicht um ober­flächliche Philosophie. ES geht bis auf den Grund hinunter. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meinen Vorlesungen auf religiöse Themen konzentriere, weil der Streit bis zu den Urprinzipien hinuntergeht. Ist die Idee der Souveränität des Individuums richtig? Die westliche Antwort ist - das ist die große Entdeckung des Westens - die westliche Antwort ist: das ist die fundamentalste Wahrheit. Das ist genau das, was an den Universitäten angegriffen wird. Der Grund, warum mich die Kollektivisten hassen, ist, dass ich sie durchschaut habe. Ich weiß, worauf sie hinaus wollen.
Englisches Original
One of the things I might tell you, just so you know, this is that ... You know that you hear that there are debates about free speech on campus. About who should talk and who shouldn't. And people think that's what the debate is about. About who should talk and who shouldn't. But that's not what the debate is about that. You don't even scraping the surface of the debate if that's what you think it's about. The debate on campus is about whether or not a human being has the capacity to communicate intelligibly as an individual or not. And the answer for the postmodernist collective types is that there is no such thing as an individual. And therefore the very notion of free speech is absurd because free speech is predicated on the idea that each of us have something to say, that's ours. That's a consequence of our unique individuality, not our group identity or the multiplicity of our group identities. But something that we have that speaks from our spirit that can speak to the spirit of another and produce a negotiated peace. And that's what's being debated. That the war that's going on philosophically or theologically in the campuses is far deeper than you think. The entire notion of the reality of the individual which is I think also the entire notion of the idea that human beings are made in the image of God most fundamentally. That is what's being attacked. It wasn't for nothing that Derrida called Western Culture phallogocentric - phallus for masculine, logos for logos, for truth and courage, and centric for centric. That was a criticism from his perspective. The idea of the sovereignty of the individual. If you don't have the idea of the sovereignty of the individual because there's no individual there's no free speech. All you are is an avatar of your group interests. And if I'm not in your group it's not in my interest to let you speak. There's nothing that we have to say to one another. There's nothing but power. It's a Hobbesian nightmare of group against group. And that's the postmodern doctrine. And so it's to call it appalling is to barely scrape the surface. It's an assault... It is truly an assault on the most fundamental principles by which the West is governed. It's not surface level philosophy, it goes all the way to the bottom. This is part of why I've been concentrating on religious themes in my lectures, let say, because the argument goes all the way down to first principles. Is there... Is the idea of the sovereignty of the individual correct? The Western anwer is - it's the great discovery of the West - the Western answer is, that's the most fundamental truth. That is exactly what's under assault at the universities. The reason that the collectivist types hate me is because I've got their number. I know what they're up to.  - Jordan Peterson [16]

Entrussifizierung der westlichen Kultur

Zitat: «Seit Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine im Februar letzten Jahres sind westliche Länder bestrebt, möglichst alle russischen Spuren aus ihrem Kulturraum zu beseitigen. Die groß angelegte Kampagne zur Entrussifizierung der Kultur betrifft Werke und Autoren, die lange Zeit als Teil des Weltkulturerbes[wp] galten.

Neben zeitgenössischen russischen Politikern und Geschäftsleuten werden auch Puschkin[wp], Tschaikowski[wp] und Dostojewski[wp] im Westen immer häufiger zu Personae non gratae[wp]. Kultur sollte abseits der Politik stehen und nicht gecancelt werden können. Doch gilt dieser Grundsatz heute noch?» - RT Deutsch[17]

Stellungnahmen

Zitat: «Man sollte sich keine Illusionen machen, denn was in Amerika bereits wütet, wird früher oder später bei uns landen: Selbst­kritik­kurse über "white supremacy" für Weisse, immer abstrusere Tugend-Olympiaden und noch mehr Toxizität in den Debatten. Kurz: das Regime eines unsichtbaren Cancel-Gottes, der erst Veranstaltungen ausknipst, aber bürgerliche Existenzen damit meint.

"Cancel culture" ist keine Kritik, sie ist Bestrafung. "Cancel culture" ist das Privat­strafrecht der Moral in den Händen einiger weniger, die damit Hochschulen, Kultur­veranstalter, Buchverleger oder sonstige Podien­anbieter oder Plattformen terrorisieren - letztlich zum Schaden von Künstlern, Publikum und der Freiheit. Das einzige traurige Spektakel dabei ist der Eiertanz von Institutionen, die in grotesker Ahnungs­losigkeit über die Grenzen von Kunst- und Meinungsfreiheit nach schalen Kompromiss­lösungen suchen und die Lage nur noch verschlimmern.» - Milosz Matuschek[18]

Zitat: «Cancel culture ist die unter einem pseudo­humanistischen Schleier praktizierte Gewalt der Linken, mit der sie ihre Diskurshoheit herstellen und absichern. Wer sich ein wenig mit der Geschichte des realen Kommunismus beschäftigt, erkennt schnell, daß cancel culture quasi genetisch zur linken Praxis gehört: sie ist die ununterbrochene Wühlarbeit kleiner und kleinster Gruppen (sie nennen sich Avant­gardisten), mit der sie ein bestehendes System systematisch durchlöchern, aushöhlen, mürbe machen. Ziel des Angriffs sind zunächst die liberalen Eliten. Und die, humanitäts­beduselt, toleranz­besoffen und "emanzipativ" wie sie nun mal sind, schleppen das Danaer­geschenk[wp] der cancel culture unter Absingen der 'Ode an die Freude'[wp] in ihre Hochburgen. Es gibt heute kaum noch eine Medienanstalt, eine Universität, eine öffentliche Institution, in der keine als Menschen­freunde verkleidete Jakobiner[wp] sitzen und bestimmen, wer ein guter und wer ein schlechter Mensch ist.» - Rainer Gebhardt[19]
Zitat: «Cancel Culture ist doch auch nur ein anderer Ausdruck, um zu sagen: Ich möchte gerne weiter diskriminieren ohne dafür kritisiert zu werden.» - Jorinde Wiese[20]
Wolfgang Thierse[wp] (SPD), vormals Bürgerrechtler in der DDR und später Bundestags­präsident im wieder­vereinigten Deutschland, hat sich in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine (Bezahl­schranke)[21] sowie in einem mutigen Interview mit dem Deutschlandfunk zur Cancel Culture in unserer Gesellschaft geäußert. Ein Auszug aus dem insgesamt lesenswerten Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann:
Zitat: «Thierse: Auf der einen Seite, auf der rechten Seite gibt es diejenigen, die das Nationale als die zentrale Kategorie nennen und damit Vorstellungen von Homogenität, also von Ausschließung betreiben - die Deutschen, Ausländer weg, Menschen, die andere Ansichten, andere Einstellungen haben, andere kulturelle, sexuelle Orientierungen und so weiter. Die werden befedet.

Auf der anderen Seite: Menschen werden vom Diskurs ausgeschlossen an den Universitäten oder in den Medien, die unliebsame Ansichten haben, die einem nicht passen, die man ablehnt, und deswegen will man sie ausschließen. Das sind die Beobachtungen, die mich beunruhigen.

Heckmann: Sie sagen, das Fragen ethnischer, geschlechtlicher und sexueller Identität dominieren, dass diese Debatten über Rassismus, Post­kolonialismus und Gender heftiger und aggressiver geführt werden. Das heißt, Sie kommen zu dem Schluss, diese Debatten über Identitätspolitik, die tragen zur Spaltung der Gesellschaft bei?

Thierse: Jedenfalls in der Art, wie sie geführt werden. Sehen Sie, mein Text ist ja ein Appell, mehr Anstrengungen für Gemeinsamkeit zu übernehmen, das Gemeinsame immer neu im Verschiedenen, ohne die Vielfalt beseitigen zu wollen, sondern Vielfalt kann nur friedlich und produktiv gelebt werden, wenn wir fundamentale Gemeinsamkeiten haben. Dieser Appell hat zu einem Shitstorm geführt. Ich werde als reaktionär beschimpft, als Mann mit neurechtem Sprech, gewissermaßen AfD-Positionen. Vom Schwulen- und Lesben­verband wird das getrieben. Mir wird vorgehalten, das sind ja die Ansichten eines alten weißen Mannes mit hetero­sexueller Orientierung, hetero­normativer Orientierung. Da erleben Sie genau das. Eine Ansicht, die einem nicht passt, die wird identitär zurück­gewiesen. Mein Alter, meine "Rasse", mein Geschlecht, meine sexuelle Orientierung - also ist die Sache erledigt. Man muss sich mit der Ansicht nicht befassen. Man kann sie einfach ablegen, weil sie so von einem Menschen, der ja immer definiert ist mit einer bestimmten Identität, vorgetragen worden ist.

(...) Heckmann: Aber sehen Sie keinen Unterschied zwischen Identitätspolitik, die von rechts betrieben wird, und der von links?

Thierse: Ohne Zweifel sehe ich den. Die Identitätspolitik von rechts ist eine Politik, die zu Ausschließung, zu Hass, ja zu Gewalt führt. Und die Identitätspolitik von links führt, wenn sie weiter so einseitig und in dieser Radikalität betrieben wird, zu Cancel Culture. Das heißt, man will sich nicht mehr mit Leuten aus­einander­setzen, diskutieren, den Diskurs führen, die Ansichten haben, die einem nicht passen. Das ist ziemlich demokratiefremd und, wenn ich das sagen darf, demokratie­feindlich. Eine pluralistische Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn in ihr die Unterschiedlichkeiten zu Wort kommen, artikuliert werden, im Gespräch miteinander sind - mit dem Ziel, die Unterschiede nicht zu verwischen, aber trotzdem auf die gemeinsamen Grundlagen des Zusammen­lebens zu kommen.

Heckmann: Genau auf den Punkt wollte ich zu sprechen kommen, Herr Thierse. Sie sprechen ja auch im Text von Cancel Culture, auch von Sprach­anordnungen, Sprach­verboten. Ist das aber nicht ein oft wiederholtes Märchen, denn in dieser Gesellschaft im Jahr 2021 kann doch nun wirklich jeder alles sagen, aber er muss natürlich auch mit Gegenrede rechnen. Wer schreibt Ihnen denn, Herr Thierse, konkret eine bestimmte Sprache vor?

Thierse: Entschuldigen Sie! Inzwischen - das können Sie nachlesen - gibt es an Universitäten die selbst­verständliche Anordnung, wer nicht die gender­sensible Sprache lebt, der kann seine Arbeiten nicht abgeben. Die Unsicherheit, dass man nicht mehr weiß, wie man jemanden ansprechen soll, angesichts der Vielfalt von Geschlechtern, führt jedenfalls nicht zu einer Erleichterung von Kommunikation. Es gibt Verwaltungs­anordnungen in unter­schiedlichen Städten, wie die Sprache zu sein hat, damit man die Vielfalt berücksichtigt etc. Ganz so ist es nicht, dass man, wie ich ja meine, Vertrauen auf die Entwicklung der Sprache hat, die sich ständig ändert, sondern das geschieht schon auch auf dem Verordnungswege, auf dem Wege von Anordnungen. Dem müssen sich nicht alle beugen, aber wer sich dem nicht beugt, muss auch damit rechnen, dass er Konsequenzen zu tragen hat.

Heckmann: Auch wir hier im Deutschlandfunk diskutieren übrigens intern auch durchaus über geschlechter­gerechte oder so genannte gendersensible Sprache. Die einen sagen, es darf niemand ausgeschlossen werden in dem, was wir sagen. Die anderen sagen, das trägt eher zur Spaltung bei und zu weniger Zusammenhalt, zu der uns ja auch unser Staatsvertrag verpflichtet. Wie sehen Sie das?

Thierse: Ich glaube schon, dass bei der Radikalisierung dieser Forderung das eher zur Spaltung beiträgt. Wissen Sie, es wird inzwischen ein Stil sichtbar, dass derjenige, der sagt, ich bin betroffen, ich fühle mich ausgeschlossen, ich empfinde mich als Opfer, dass der schon recht hat. Aber unsere Tradition seit der Aufklärung ist doch die, nicht die Betroffenheit, nicht das subjektive Empfinden darf entscheidend sein, sondern das vernünftig begründende Argument, das muss uns miteinander verbinden, das muss den Diskurs strukturieren. Denn sonst ist klar: Thierse ist ein alter weißer heterosexueller Mann. Seine Ansichten sind so definiert und damit ist der Fall erledigt. Da wird gar nicht mehr hingehört, welche Argumente hat er denn, welche Erfahrungen formuliert er, welche Vorschläge macht er, was ist das Ziel seines Redens, sondern es ist definiert durch Herkunft, durch Identität, und dann kann man sagen, nein, das ist nicht meine, meine ist anders, ich fühle mich benachteiligt, also habe ich recht.»[22]

Es ist klar, dass der Deutschlandfunk dieses Interview nicht einfach stehen lassen, sondern zügig eine empörte Erwiderung dagegen setzen musste, der zufolge man gegen die Privilegien "weißer, heterosexueller, patriarchal geprägter Menschen" vorgehen müsse.[23]

Genderama[24]

Literatur

  • Kolja Zydatiss[ext]: Cancel Culture: Demokratie in Gefahr, Solibro Verlag, 2021, ISBN 3-96079-086-4

Einzelnachweise

  1. Youtube-link-icon.svg "Abschaffungskultur": Ein linkes Phänomen verändert die Gesellschaft - frontalPlus (23. Januar 2021) (Länge: 17:15 Min.)
  2. Putin: Fenster nach Europa bleibt offen, RT Deutsch auf Odysee am 18. November 2023, Zitat am 0:53 Min.
    Auf der Plenarsitzung des Internationalen Kulturforums in Sankt Petersburg am vergangenen Freitag führte der russische Staatschef Wladimir Putin die aktuellen Spannungen in der Welt auf den "Anspruch bestimmter Kräfte auf Exklusivität, einschließlich kultureller Exklusivität" zurück. Dazu gehöre auch die "Absagekultur gegenüber Russland", die Putin als "antikulturell, neokolonial und rassistisch" bezeichnete.
    Putin erklärte ausdrücklich, dass die slawische Kultur "ein integraler Bestandteil der europäischen und der Weltkultur" sei und dass Moskau die Zusammenarbeit mit Europa nicht eingestellt habe und auch nicht einzustellen gedenke. Aber wenn der Wind "weht", könne man das Fenster etwas zumachen, "um sich nicht zu erkälten", sagte er scherzhaft.
  3. 3,0 3,1 Where Did Cancel Culture Come From?, in: Dictionary.com, abgerufen am 26. Juli 2020 (amerikanisches Englisch)
    "Cancel culture refers to the popular practice of withdrawing support for (canceling) public figures and companies after they have done or said something considered objectionable or offensive. Cancel culture is generally discussed as being performed on social media in the form of group shaming." ("group shaming" = "Gruppenschelte")
  4. Michael Wurmitzer: Cancel-Culture gegen Künstler und Werke: Debatten einfach ausradieren, derStandard am 28. Juni 2020
  5. Tobias Rapp, Philipp Oehmke: "Cancel Culture" in den USA: Der große Graben, Der Spiegel am 10. Juli 2020
  6. Caspar Shaller: Antifa ins Museum, Freitag 34/2020 (Anreißer: Chemnitz - Ist die Kunst in Sachsen frei? Das Peng-Kollektiv testet das: Es kauft linken Gruppen Devotionalien ab und stellt sie aus.)
  7. Arne Hoffmann: Tipps, wie man sich der woken Cancel Culture widersetzen kann (Teil 1 von 2), Genderama am 6. Februar 2021
  8. Ute Cohen: "Die neue Normalität wird als alternativlos dargestellt" - Interview mit Gunnar Kaiser und Milosz Matuschek, Die Welt am 7. September 2020
  9. Neue Aktion gegen politische Korrektheit: Der "Appell für freie Debattenräume" - Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, rbb Kultur am 1. September 2020
  10. Alexander Grau[wp]: Solidarität mit den Ausgeladenen, Cicero am 29. August 2020
  11. Erstunterzeichner
  12. <novgwort>
    Deutsche Übersetzung
    Ein Beitrag einer Nachrichtenorganisation in den sozialen Medien, der ausdrücklich darauf abzielt, so viele Menschen wie möglich zu empören, um Interaktion zu erzeugen.
    Englisches Original
    A post on social media by a news organisation designed expressly to outrage as many people as possible in order to generate interaction.  - Urban Dictionary: Rage Bait
    </novgwort>
  13. Aida Baghernejad: Merz kritisiert "Cancel Culture": Immer schön ablenken, taz am 27. Juli 2022
    CDU-Chef Friedrich Merz hält "Cancel Culture" für die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit. Das ist Blödsinn - und politisches Kalkül.
  14. Lamya Kaddor: Die Debatte über Meinungsfreiheit ist ein Fake, t-online am 26. Dezember 2019
  15. Bernhard Lassahn: Der Angriff auf das Individuum (1): Cancel Culture, AchGut-Blog am 24. Januar 2021
  16. Youtube-link-icon.svg On Claiming Belief In God: Discussion with Dennis Prager - Jordan B. Peterson (9. Juni 2019) (Länge: 36:05-39:42 Min.)
  17. Cancel Culture oder Cancelled Culture? - Westliche Staaten "entrussifizieren" ihre Kultur auf Odysee am 8. Mai 2023, 6:40 Min.
  18. Milosz Matuschek: Die Zerstörer zerstören - ein Leitfaden, wie der Cancel-Kultur beizukommen ist, Neue Zürcher Zeitung am 18. August 2020
  19. Kommentar auf Neue Zürcher Zeitung am 18. August 2020
  20. Twitter: @jorinde_wiese - 25. Feb. 2021 - 18:30
  21. Wolfgang Thierse: Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft, F.A.Z. am 22. Februar 2021
  22. Wolfgang Thierse (SPD) über Identitätspolitik: Ziemlich demokratiefremd, Wolfgang Thierse im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann, Deutschlandfunk am 25. Februar 2021
  23. Genderforscherin Geier zu Identitätspolitik: Wir müssen anerkennen, dass es Verschiedenheit in der Gesellschaft gibt, Andrea Geier im Gespräch mit Stephanie Rohde, Deutschlandfunk am 27. Februar 2021 (Anreißer: Die Genderforscherin Andrea Geier[wp] kritisiert eine Gleichsetzung von linker und rechter Identitäts­politik. Dadurch, sowie durch Begriffe wie "Cancel Culture", "kommen Positionen in den Raum, die so tun, als ob Rassismus und Rassismuskritik irgendwie dasselbe seien", sagte Geier im Dlf.)
  24. Genderama: Wolfgang Thierse (SPD): "Ich werde als alter weißer Mann beschimpft" - News vom 26. Februar 2021

Netzverweise

  • Wikipedia führt einen Artikel über Cancel Culture, Appell für freie Debattenräume
  • Marcus Klöckner: Bitte keine Auftritte von kritischen Künstlern in der Stadt Trier, NachDenkSeiten am 7. November 2023
  • Thomas Röper: Antifaschismus? Was Cancel Culture und Faschismus gemeinsam haben, Anti-Spiegel am 9. April 2022 (Faschismus)
    Anreißer: Die Cancel Culture und ihre Auswüchse werden in Russland schon lange kritisiert. Nun hat das russische Außenministerium das in einer ausführlichen Erklärung präzisiert.
    Die "Cancel Culture", also die Unart im Westen, die eigene Geschichte "canceln" zu wollen, greift um sich. Das betrifft Denkmäler, es betrifft das Umschreiben der Geschichte, die Umbenennung von Kunstwerken, das Verbot von Kultur­veranstaltungen und noch vieles mehr. In Russland hatte man dafür zu keinem Zeitpunkt Verständnis. - Beispiele: 1, 2, 3
  • Youtube-link-icon.svg Cancel Culture und Rufmord - Prof. Dr. Christian Rieck (1. Juli 2023) (Länge: 15:10 Min.)
    Cancel Culture beschreibt das Vorgehen, Personen wegen (vermeintlichem oder tatsächlichem) Fehlverhalten aus dem öffentlichen Diskurs auszuschließen. Es gehen oftmals Rufmord­kampagnen voraus, bei denen Äußerungen bewusst verzerrt interpretiert oder wieder­gegeben werden.
    Dieses Video zeigt anhand fiktiver Beispiele, wie solches bewusstes Falsch-verstehen oder Falsch-wiedergeben aussehen kann.
    Es gibt aus spiel­theoretischer Sicht zwei interessante Aspekte, die damit einhergehen:
    1. Die betroffene Person interagiert zunehmend mit einer Gruppe, die sie nicht kritisiert, und radikalisiert sich damit zu gewissen Grad selbst.
    2. Wenn ein bestimmter Schwellwert in der öffentlichen Wahrnehmung überschritten wird, entsteht ein Koordinations­gleichgewicht, bei dem auch einstmals neutrale Beobachter gezwungen sind, öffentlich eine ablehnende Position einzunehmen.
  • Youtube-link-icon.svg Universität und "Cancel Culture" - reale Gefahr oder Phantomdebatte? - Konrad-Adenauer-Stiftung MV (28. April 2022) (Länge: 77:20 Min.)
    Auch an deutschen Universitäten nehme die Toleranz ab, dringe Ideologie in die Wissenschaft ein, würden immer häufiger Denk- und Sprachverbote errichtet, sagen manche. Vorträge werden abgesagt oder gestört, abweichende Meinungen sanktioniert. Man spricht von Cancel Culture.
    Vor allem über Geschlecht und Gender wird seit geraumer Zeit heftig gestritten: In Großbritannien 2020/21 im Falle der Philosophin Kathleen Stock, hierzulande im Sommer 2022 über die Thesen unter anderem der Biologie­doktorandin Marie-Luise Vollbrecht. Heftigen Streit gibt es diversen Fächern und Zusammenhängen. Ist die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr? Wer bedroht sie und warum? Darüber sprachen wir im Greifswalder Demokratie-Lab mit drei Mitgliedern des "Netzwerk Wissenschafts­freiheit".
    Gesprächspartner:
    Prof. Dr. Michael Sommer (Althistoriker, Universität Oldenburg)
    Dr. Christian Suhm (Philosoph, Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald)
    PD Dr. Michael Linnebacher (Biologe, Universitätsmedizin Rostock)
  • Youtube-link-icon.svg Ich hasse CANCEL CULTURE! - Der Dunkle Parabelritter (15. Januar 2021) (Länge: 16:06 Min.)
  • Dushan Wegner: Diejenigen, die Bücher verbieten, waren noch nie die Guten, Jüdische Rundschau[jw] am 4 (80) April 2021
    Anreißer: In der ganzen Menschheitsgeschichte standen diejenigen, die Bücher verbrennen oder in der Gegenwart Texte aus dem Internet löschen, für Unfreiheit und die Unterdrückung der Wahrheit. Auch der aktuelle linke McCarthyismus[wp] und die Cancel Culture, die dieses Vorgehen fortsetzen, stehen auf der falschen Seite der Geschichte.
    Biotech-Unternehmer Vivek Ramaswamy:
    "Name ONE time in human history when the group fighting to ban books and censor speech were the good guys. I'll wait ..."
    Zu Deutsch etwa:
    "Nennt mir EINEN Fall der Menschheitsgeschichte, in dem die Gruppe, die für den Bann von Büchern und die Zensur von Sprache kämpfte, die Guten waren. Ich warte ..."
  • Diktatur ist ein Meister aus Deutschland - YouTube zensiert Boris Reitschuster, ScienceFiles am 4. April 2021 (Boris Reitschuster, Zensur)
  • Youtube-link-icon.svg Cancel Culture - Wenn Menschen sozial ausgelöscht werden - Emperor Caligula (13. Februar 2021) (Länge: 26:40 Min.)
  • Cancel Culture - Schwingt das Pendel zurück?, Rainer Rupp auf Odysee am 5. Februar 2021
  • idw-europe.org - Internetauftritt des Appells für freie Debattenräume mit Unterzeichnerliste[ext]
  • Gunnar Kunz: Zum Stand der Meinungsfreiheit, Alternativlos-Aquarium am 8. Januar 2021 (Meinungsfreiheit)
  • Youtube-link-icon.svg Intoleranz, offene Debattenkultur und Cancel Culture - Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (Live übertragen am 3. Dezember 2020) (Länge: 1:33:40 Min.)
  • Dirk Pohlmann: Abgeschaltet, 24. November 2020
    Hatte ich im Studium noch gelernt, dass auch Neue Post, Das Goldene Blatt, Coupé, und mit ihnen das ganze Universum der medialen Flachwasser­bewohner unter dem Schutz der Pressefreiheit stehen, nicht nur seriöse Publikationen, es sei genug Freiheit für alle da, lerne ich jetzt, wann die Pressefreiheit aufhört. Wo die Grenzen sind, bemerkt man erst, wenn man sie überschreitet, dann gehen die Scheinwerfer an, die Hunde bellen und die Wachmann­schaften spritzen aus allen Ecken.
    Richtig gefährlich wird es, wenn abweichend berichtet wird. Also, wenn es um den Kernbestand der Pressefreiheit geht. Das ist verkehrte Welt im großen Stil.
    Wenn es darum geht, mit minderwertigem Omi-Tainment, Tittytainment und Royalen Fake-News Geld zu verdienen, bietet das Mediensystem Schutz und kollegialen Rechtsbeistand. Wer aber zum Maßnahmen­staat der Bundesregierung in Sachen SARS COV-2 abweichende Ansichten, Interviews und Kommentare publiziert, wird als Covidiot, Verschwörungs­theoretiker und Neonazi denunziert. Da greift sogar das Fachorgan der Bildungsbürger, Die Zeit, wohlig ins Klo und veröffentlicht einen Artikel, in der die Staatsgewalt aufgefordert wird, mit Reizgas und Wasserwerfern mal so richtig Staatsgewalt auszuüben. Unter der Überschrift "Wasser marsch!", das wird man ja noch mal sagen dürfen, schaut sich die Zeit-Redaktion beifalls­heischend um, bekommt aufmunterndes Schulter­klopfen und "fühlt sich kannibalisch wohl, als wie 500 Säue" bei der Exploration der Stammtisch­niederungen.
  • Milosz Matuschek:
  • Annette Heinisch: Wider die Herrschaft der Angst: Der Appell für Freie Debattenräume, Die Achse des Guten am 6. September 2020
    Bei dem von Milosz Matuschek und Gunnar Kaiser initiierten Appell für Freie Debattenräume, der das deutsch­sprachige Pendant zu dem vor einigen Wochen von 153 Intellektuellen unterzeichneten Aufruf "A letter on justice and open debate" im Magazin Harper's ist, geht es eigentlich um eine pure Selbstverständlichkeit: Den offenen und angstfreien Diskurs.